Positive Zeichen

lesen lernen...

 

Zugegeben: Corona nervt uns alle! Immer mehr! ... Aber ich habe ja gelernt in allem etwas Positives zu sehen. In meinem Fall dann wohl etwas Positives, das mich sehr stolz macht.

 

Während des Lockdowns haben meine zwei großen sehr oft miteinander Schule gespielt. Tochterkind eins ist in den letzten Zügen der Grundschule, Tochterkind zwei ebenso in den letzten Zügen, allerdings im Kindergarten. Häufig stand bei den beiden "Deutsch" auf dem Stundenplan. Ich höre die große noch sagen: "Nein, da musst du von oben nach unten schreiben. Und das hier, das sieht aus wie eine Schlange...."

 

Ich habe schmunzelnd zugehört, mir aber nicht allzu viel dabei gedacht. Bis zum Tag x: Mein Mittelkind und ich spielen gemeinsam. Auf der Verpackung der Holzfiguren steht das Wort "Bauernhof". Plötzlich merke ich, dass sie nicht mehr bei der Sache ist. Ich schiele zu ihr rüber und sehe, wie sie ganz konzentriert auf das Wort "Bauernhof" starrt und es mit ihren Lippen formt. Dann ruft sie aus: "Bauernhof! Da steht Bauernhof, Mama! Ich kann das lesen!" Ich, leicht überfordert: "Ähm... öhm... cool! Und was steht hier?" „Da steht voooooon Kiiiindeeeerrrrrn f… was ist das für ein Buchstabe?“ Ich: „Ein ü.“ Sie: „Fffüüüür Kiiiiiinder. Von Kindern für Kinder.“ 

 

Ich war stolz, glücklich, traurig, überrascht – alles auf einmal. Sie kann tatsächlich lesen. Sie wollte natürlich sofort, dass ich ihr ein Buch bestelle (nur mit Großbuchstaben), aus dem sie mir dann immer vorlesen darf. Gesagt, getan... Nun bekomme ich am Abend vorgelesen - von meinem Baby! Okay, bis wir die vier Sätze durchhaben, die sich auf jeder Seite befinden, dauert es oft ein Weilchen, aber sie wird von Tag zu Tag besser. Wie das eben so ist beim Lesen. Wo wir gehen und stehen erschließen sich ihr völlig neue Welten. „Mama, da steht Norma.“ „Der Lastwagen da gerade, der kam von Rewe.“ „Ich wusste gar nicht, dass das Dorf hier Falkendorf heißt. Wie der Vogel.“ „Wieso steht da Bitte läuten?“ …. Alles wird genaustens erforscht. Und dann der schönste Satz: „Echt cool, wenn man lesen kann. Auf einmal ist das alles so spannend.“

 

Auch von Berufswegen her habe ich mich natürlich sofort über dieses Thema schlau gemacht. Die einen sagen: Auf keinen Fall vor der 1. Klasse lesen lernen, die Kinder langweilen sich sonst im Unterricht. Die anderen sagen: Wir üben auch schon ein bisschen, dann tun sie sich in der 1. Klasse leichter.

 

Ich sage: Toll gemacht mein Mädchen! Denn wie bei so vielem was meine Kinder und mich betrifft, lasse ich mein Herz entscheiden. Ich bin der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt anscheinend ein gewisses Entwicklungsfenster offen war und sie bereit war, lesen zu lernen. Natürlich verschließt sich dieses Fenster nicht nach zwei Wochen wieder und sie hätte es genauso gut ab September in der Schule lernen können. Aber sie wollte es von sich aus und nichts ist besser, als die sogenannte intrinsische Motivation, die einen von innen heraus antreibt. Den größten Fehler habe ich nicht dadurch begangen, sie einer Erfahrung in der Schule zu berauben, sondern ich hätte ihn als Mutter gemacht, indem ich ihren Wissensdurst gebremst hätte. „Das macht man eben nicht!“ habe ich nämlich schon lange aus unserem Wortschatz gestrichen. Ich kenne meine Kinder am Besten und ich weiß, was gut für sie ist.

 

Corona hat uns so viel Negatives beschert. Aber wenn wir genau hinsehen, dann finden wir auch immer etwas Positives. Und darauf sollten wir uns konzentrieren! Denn wenn wir uns über all die negativen Dinge ärgern, dann wird es auch nicht besser. Wohl aber, wenn wir unseren Blick gen Sonne wenden!

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