Haushalt ist 

Familiending

 

Kein einfaches Thema, zumindest nicht für uns.

Vor einiger Zeit kam meine große Tochter (deren Wunschliste nach neuem Spielzeug schier unendlich zu sein scheint) zu mir und sagte: „Mama, ich hab da eine tolle Idee.“ „Hau raus, mein Schatz!“, war meine Antwort, sehr gespannt was sie sich in ihrem kleinen Kopf mit dieser unerschöpflichen Kreativität ausgedacht haben mag.

„Also“, begann sie, „Wir könnten es doch so machen: Immer wenn ich dir im Haushalt bei etwas helfe, also Spülmaschine ausräumen, putzen oder so, dann bekomme ich von dir Geld. Und das spar ich dann und dann kann ich mir tolle neue Spielsachen kaufen.“ Mein erster Gedanke war „Gar nicht so übel die Idee (kennen wir ja alle aus unserer eigenen Kindheit).“ Im Laufe meiner Jahre als Mama habe ich gelernt, dass es oft nicht die beste Idee ist, sich gleich dem ersten Impuls hinzugeben und etwas darauf zu erwidern, sondern um Bedenkzeit zu bitten. Ich antwortete: „Ich werde mir darüber Gedanken machen und dann sprechen wir noch mal.“ Enttäuscht dass ich nicht sofort Feuer und Flamme für diese geniale Idee war, aber dennoch verständnisvoll ging sie wieder in ihr Zimmer.

In den nächsten Tagen dachte ich immer wieder über ihren Vorschlag nach. Natürlich kann ich verstehen, dass es für eine 7-jährige der einzige Weg ist, sich ihr Taschengeld aufzubessern. In Bezug auf Taschengeld sollte ich erwähnen, dass wir uns am vorgeschlagenen Rahmen des Jugendamts orientieren. Nach reiflicher Überlegung kam ich zu folgendem Entschluss: Bei uns Zuhause wird es für Arbeiten wie Spülmaschine ausräumen, Wäsche zusammenlegen, saugen etc. kein Geld geben. Ich erkläre euch auch gerne warum:

Ich bin der Meinung, dass wir als Familie in einer Gemeinschaft leben, in der man sich gegenseitig unterstützt. Mir ist klar, dass dabei der Großteil aller Arbeiten an mir hängen bleibt, aber in gewisser Weiße ist das ja auch mein Job. Mein Mann und ich wir haben unter uns „Familienregeln“, in denen wir das vereinbart haben (nicht schriftlich 😉). Ich möchte meinen Kindern mitgeben, dass meine Tätigkeiten im Haushalt nicht selbstverständlich sind. Dass ich nicht ihre Putzfrau oder Köchin bin und dass man eben zusammenhelfen muss, damit so ein Familienalltag funktioniert. Dabei ist es mir egal, ob jeder eine feste Tätigkeit zugewiesen bekommen möchte oder ob je nach Laune die Tätigkeiten wechseln. Es gibt ja schließlich auch bei mir Tage, an denen ich keine Lust habe die Wäsche zu bügeln…. Ich möchte meinen Kindern durch ihre Mithilfe vermitteln, dass sie Zuhause gebraucht werden. Dass es schneller geht, wenn alle zusammenhelfen und wir dann gemeinsam oder alleine mehr Zeit haben, um uns mit den Dingen zu beschäftigen, die uns (mehr) Freude bereiten.

Als sie also nach ein paar Tagen wieder auf mich zukam und wissen wollte, was ich von ihrem Vorschlag halte, sagte ich:

„Also mein Schatz, ich habe mir darüber viele Gedanken gemacht und kann dich verstehen. Es gibt einfach so viele schöne Spielsachen, mit denen man ganz fantastische Dinge machen kann. Mit deinem Taschengeld alleine, wirst du dir all die Dinge nicht kaufen können. Dennoch bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich dich für deine Hilfe im Haushalt nicht bezahlen werde. Wir sind eine Familie und da muss man einfach ein bisschen zusammen arbeiten und alle sollten mit anpacken. Ich gehe auch jeden Tag arbeiten, so wie du in die Schule gehst. Haushalt ist also für mich auch zusätzliche Arbeit. Wenn am Abend das Essen auf dem Tisch steht oder eure Wäsche frisch gewaschen im Schrank liegt dann sage ich ja auch nicht „Macht 2,50, bitte!“. Ich mache das, weil ich euch gerne habe und ich mich um euch kümmern möchte. Ihr seid mir wichtig und ich möchte, dass es euch mit meiner Hilfe gut geht. Genau das gleiche wünsche ich mir aber auch von euch.“ 

Stille…..

Da die Frustrationstoleranz einer (und besonders meiner 😉) 7-jährigen noch ausbaufähig ist, ist das Ganze natürlich nicht so harmonisch und ohne Gegenargumente abgelaufen. Dies war quasi die Kurzfassung für euch.Wichtig war vor allem der ruhige und bestimmte Ton meinerseits, ohne Vorwürfe oder herablassend zu wirken. Am Ende des Gesprächs hat sie mich jedenfalls verstanden und war vor allem auch einverstanden.

Ich werde sie also weiterhin hier und da um kleine Gefallen (wir reden nicht von Kinderarbeit 😉) bitten. In der Vergangenheit wurden diese meist ohne Murren hingenommen. Die Betonung liegt auf meist. Mein Mädchen ist eine ganz große Helferin, die es liebt gebraucht zu werden und sich dadurch wichtig fühlt. Diese Charaktereigenschaft kommt mir natürlich bei unserer Regelung entgegen.

Zu einem Kompromiss habe ich mich dann dennoch hinreißen lassen: Bei ganz speziellen Großaufträgen wie z.B. Gartentürchen streichen, Rindenmulch im neuen Blumenbeet verteilen, Auto waschen etc. gibt es dann doch eine Aufwandsentschädigung. Ich informiere sie einfach eine gewisse Zeit im Voraus dass etwas ansteht und wenn sie mitmachen möchte, dann vereinbaren wir einen Zeitpunkt. Schließlich kann ich das nicht jetzt und sofort im größten Lernstress von ihr erwarten. Es muss also auch in ihren Zeitplan passen. So lernt sie zu planen und kann selbst entscheiden, was für sie (wie für alle Kinder) sehr wichtig ist. Zwang ist meiner Meinung nach nur Nerven-, Zeit- und Kräftezehrend.

Wie regelt ihr das? Lasst mir gerne eure Kommentare da. Ich freue mich darauf!