Einen Moment, 

bitte...

 

Achtsamkeit ist gerade in aller Munde und aus Social Media gar nicht mehr wegzudenken. Alleine der Hashtag „Achtsamkeit“ hat bei Instagram über 1,8 Millionen Beiträge. Es scheint also ein Thema zu sein, dass uns alle sehr bewegt. Auch mich…  Ob das mit steigendem Alter kommt oder an den verrückten Zeiten liegt – man weiß es nicht! 😉

 

Was ich aber weiß ist, dass wir Achtsamkeit aktuell anscheinend alle besonders brauchen. Da sich in meinem Bereich alles um das Thema Familie, Kinder und Schule dreht, gehören meine Gedanken natürlich vorzugsweise diesem Personenkreis.

 

Einer meiner häufigsten Sätze im vergangenen Jahr war sicherlich „Einen Moment bitte…“. Drei Worte, so schnell dahingesagt. Und doch verbirgt sich dahinter eigentlich eine ganz große Message – nämlich: Ich brauche jetzt bitte einen Moment für das was ich gerade tue/ machen möchte/ für meine Gedanken/ für mich…

 

Obwohl unser Freizeitstress gerade schon wieder komplett zum Erliegen kommt, fühlen wir uns gehetzt – emotional und physisch. Woher das kommt, das wissen wir alle. Unsere Gedanken drehen sich non stop um die Zukunft. Was heute gilt, kann morgen schon wieder veraltet sein. Wie werden die kommenden Wochen ablaufen, worauf werden wir wieder alle verzichten müssen? Eigentlich brauchen wir doch nichts so sehr, wie unseren „normalen Alltag“, den von damals, vor Corona.

 

Wir wollen unbeschwerte Schultage. Wir wollen Familie und Freunde treffen. Wir wollen einen Schnupfen auch als solchen sehen und nicht als einen tödlichen Virus, wegen dem wir unsere Kinder sofort mit einem Test gängeln und sie am besten wegsperren müssten. Wir Eltern jonglieren zu viele Bälle, immer kurz davor, dass ein Ball fällt und alles aus dem Takt gerät. Wir sind mit Entscheidungen konfrontiert, die viele von uns überfordern. Wir kriegen uns mit Freunden in die Wolle, weil unsere Ansichten auseinander gehen. Wir sind gezwungen uns an Regeln zu halten, die wir nicht immer verstehen. Trotzdem versuchen wir mit aller Macht unseren Kindern einen Alltag „vorzugaukeln“, der so nah wie möglich an der alten Realität liegt. Denn das letzte, was wir nach fast 2 Jahren Pandemie wollen, sind Ausnahmezustände. „Ich will einfach, dass alles wieder normal wird….“, sagte neulich meine Große zu mir. „Ich auch mein Mädchen, ich auch….“.

 

Im Schweinsgalopp rasen wir also durch die Woche und versuchen alles zu wuppen. Rückenschmerzen? Wird schon wieder! Augenlidzucken? Magnesium einwerfen! Magenprobleme? Weniger futtern oder nach der Tüte Chips schnell noch ne Tablette gegen Sodbrennen. Der Klassiker: „Eigentlich muss ich schon seit zwei Stunden aufs Klo, aber ständig….“ Die meisten von uns Eltern sind Weltmeister im „Eigene Bedürfnisse ignorieren“. Aber damit ist jetzt Schluss!

Ja, unsere Kinder und ihr Wohl stehen für uns an erster Stelle! Ja, wir würden für sie töten! Ja, wir haben eine riesige Verantwortung für sie auf unseren Schultern! Aber Stopp!! Wir sind auch für uns selbst verantwortlich. Für unsere Gesundheit – und damit meine ich auch unsere psychische. Einer Familie geht es nur so gut, wie es der Mutter geht (oder dem Vater).

 

Nach fast zwei Jahren Pandemie müssen auch wir Eltern langsam wieder an uns denken. Nur eine Tasse (heißen) Kaffee? Dann parke deine Kinder für diese Zeit vor dem Tablet (ohne schlechtes Gewissen!) – sie werden dadurch nicht verdummen! Noch einmal zur Massage gehen, bevor wieder alles dicht gemacht wird? Dann vereinbare Playdates mit Schulfreunden und gönne dir die 60 Minuten. Dieser sauteure Pullover, der in deinem Schrank noch gefehlt hat? Gönn dir, wenn er dir ein gutes Gefühl gibt. Endlich mal wieder mit deinem Partner/deiner Partnerin ein schönes Abendessen haben? Dann macht den Kindern Pfannkuchen und wenn sie im Bett sind lasst ihr euch was leckeres liefern.

Gönn dir! Macht einfach! Macht!

Überhört nicht ständig eure Bedürfnisse. Geht nicht jeden Tag an eure Grenzen und darüber hinaus. Vergesst euch nicht in diesem Wahnsinn, den wir alle gerade erleben. Setzt eure Freundschaften nicht aufs Spiel, nur weil ihr anderer Meinung seid. Wir brauchen uns nun… alle…. Gegenseitig… irgendwie!

Kaffeepause mit Freundin